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Nachdem
Ayo. mit ihrem Album „Joyful“ bereits Platinstatus in Frankreich
erlangte und Gold in Italien holte, wird es nun auch an der Zeit ihr
Album den deutschen Musikliebhabern vorzustellen. Der familiäre
Hintergrund von Ayo ist alles andere als gewöhnlich. Ganz wie die
Musik. Wir nutzten ihre Albumveröffentlichung in Deutschland als Anlass um
in
einem ausführlichen Gespräch mehr über die bezaubernde Musikerin, ihr
Album und ihre Geschichte zu erfahren.
Links zum Thema:
Homepage von Ayo.
Ayo. auf Myspace
Videos:
Ayo. EPK
Video zu ”Down On My Knees“
Video zu “And It’s Supposed To Be Love”
Review:
Ayo. / Joyful
Interview:
Ayo. verrat uns doch bitte zu Beginn des Interviews etwas mehr über dich.
Ich bin 26 und wurde in Frechen in der Nähe von Köln geboren. Mit
ungefähr 21 Jahren habe ich Deutschland verlassen und in den letzten
Jahren in Paris, London und New York gelebt. Seit 5-6 Jahren bin ich
sozusagen überall zu Hause. Zuerst habe ich aber in London bei meiner
Familie und bei Freunden gewohnt. Die Stadt ist schweineteuer, da hatte
ich nicht wirklich die Mittel mir selbst eine Wohnung zu nehmen.
Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich viel mehr in Paris bin als in
London, so dass ich mich erst mal dazu entschied in Paris zu bleiben,
da auch eine sehr gute Freundin von mir dort lebt. Weil ich das Album
aufgenommen habe und ich zwischen verschiedenen Produzenten entscheiden
kann, bin ich oft zwischen Paris und New York herum gereist. Das war
immer ein Hin und Her. Als mein Album in Frankreich rauskam, musste ich
wieder dorthin zurück wegen meiner Promozeit. Vor zwei Monaten habe ich
aber die Wohnung in Paris aufgegeben und habe jetzt ein Haus bei
Kerpen-Brüggen wieder in der Nähe von Köln.
Sehr viel Unterwegs also. Wann und wie hast du denn überhaupt angefangen Musik zu machen?
Mein erstes Instrument habe ich mit 6 Jahren gespielt. Das war die
Geige aber das war grauenhaft. Das war ein bisschen so nach dem Motto,
das Kind muss ja irgendwas machen. Wenn ich geprobt habe konnte das
aber keiner hören, also habe ich das ganz schnell wieder sein lassen
und angefangen Klavier zu spielen. Das habe ich dann ungefähr fünf
Jahre lang gemacht. Darauf hatte ich aber dann auch keine Lust mehr,
weil ich improvisieren viel lieber mochte als das zu spielen was man
spielen muss. Ich habe diesen Zwang immer gehasst. Erst spät habe ich
mit Gitarre angefangen, was dann aber mein erstes eigenes Instrument
geworden ist. Ich glaube ich wollte schon immer Gitarre spielen. Zu
Geburtstag habe ich dann eine Nylon-String Gitarre geschenkt bekommen.
Ich wollte aber eigentlich keine Nylon sondern eine Steel-String. Bevor
ich umgezogen bin, habe ich mir dann eine Steel-String Gitarre geholt
und darauf habe ich dann auch meinen eigenen Style entwickelt, was
Gitarre spielen betrifft. Von da an habe ich nur noch Gitarre gespielt.
Ist Ayo. dein gebürtiger Name oder woher stammt der?
Der Begriff Ayo. stammt aus Yoruba, meine Vatersprache, eine von vielen
Sprachen die in Nigeria gesprochen werden und bedeutet Joy - Freude. Auf
meinem Pass steht der Name Joy ... (Anm. d. Red.: Nachname konnte
leider nicht rekonstruiert werden). Meine Familie in Nigeria und auch
mein Papa haben mich aber oft Ayo. genannt. Das hat für mich mehr Tiefe
und Bedeutung als Joy. Als Joy kennen mich alle meine Freunde.
Ich habe gelesen, dass man deinen Namen immer mit Punkt am Ende
schreiben muss. Warum das denn und wie oft kommt es vor, dass die Leute
das vergessen?
Der Punkt kommt unters “O“. Das kommt eigentlich immer vor, dass die
Leute das vergessen, weil es auf dem Computer dieses Satzzeichen nicht gibt. Ohne diesen Punkt steht der
Begriff für ein Brettspiel. Mit dem Punkt unter dem “O“ bedeutet es
Joy. Und ich dachte immer ohne Punkt unterm “O“ bedeutet Ayo Zwiebel.
Als ich aber in Nigeria war, habe ich heraus gefunden, dass es gar
nicht Zwiebel bedeutet. Bloss meiner Promotionagentur habe ich auch
gesagt, dass es Zwiebel heisst wenn man den Punkt weglässt. Jetzt haben
alle falsche Informationen (lacht).
Dafür sind wir ja hier um das richtig zu stellen. Du sagtest vorhin auch, dass du
erst spät mit Gitarre spielen angefangen hast. Wann denn genau?
Das war genau an meinem 22. Geburtstag. Davor habe ich nur ein bisschen
geklimpert. Ich spiele also seit ungefähr 5 Jahren. Ich muss sagen, es
ging wirklich sehr schnell zu erlernen, aber ich glaube auch nur weil
ich mich sehr dafür interessierte.
Und wie hast du dein Talent zum Singen entdeckt?
Gesungen habe ich auch immer schon seit ich klein war. Mein
erstes Instrument war so gesehen meine Stimme. Zudem war mein Vater in
den 70ern DJ. Über seine Vinylplatten habe ich auch immer viel
gesungen.
Hast du deine Stimme professionell trainiert oder machst du noch natürlichen Gesang?
Ich mache noch natürlichen Gesang. Ich habe nie Unterricht gehabt oder
so was ähnliches. Ich glaube, wenn du viel singst und vor allem am
Anfang einfach Sachen mitsingst, dann trainierst du deine Stimme auch
schon, aber eben anders. Das Album ist auch analog aufgenommen worden.
Wir benutzten zwar Pro-Tools, aber es ist alles live eingespielt und
die meisten Lieder sind first-takes. Es gibt auch keine Overlaps. Bei
der ersten Single „Down On My Knees“ habe ich einen Overlap bei der
Stimme gemacht, aber das ging gar nicht. Also mussten wir das Original
aus dem ersten Take behalten. Die Stärke liegt halt im Moment. Das
Aufnehmen vom Album hat auch nur 5 Tage gedauert.
5 Tage klingt echt wenig. Wie sind die Aufnahmen denn abgelaufen?
Ich war mit den Musikern der Band in einem grossen Raum, der wiederum
durch Trennwände unterteilt wurde. Da haben dann alle in einer kleinen
Kammer zusammen gespielt und ich habe in einer anderen Kammer dazu live
gesungen. Nachher sind die einzelnen Musiker noch mal über ihre
Aufnahmen und haben Sachen hinzugefügt. Larry Campbell zum Beispiel,
der Gitarrist von Bob Dylan, ist hergegangen und hat die Violine und
noch ein Solo eingespielt. Also als Basis wurde der Song zusammen
aufgenommen und eingespielt und anschliessend haben die Musiker noch
Sachen eingebracht.
Hast du auch selbst ein Instrument eingespielt?
Ja, die Gitarre. Auf allen Liedern bin ich es, die Gitarre spielt,
unterstützt von der R-Gitarre von Larry Campbell. Es gibt eigentlich
nur ein Lied auf dem Album, das ich nicht gespielt und geschrieben
habe. Das ist „It’s supposed to be love“ von Abbey Lincoln. Alle
anderen Lieder habe ich geschrieben, komponiert und auch gespielt. Für
mich ist es auch irgendwie unnatürlich wenn ich nur singe und nicht
dazu spiele. Ich muss beides zur gleichen Zeit machen. Ich kann auch
nur singen, aber wenn das die Lieder sind, die ich normalerweise an der
Gitarre spiele, dann ist das komisch. Das nimmt etwas vom Gefühl finde
ich.
Wie würdest du dein Album „Joyful“ und deine Musik darauf aus deiner Sicht beschreiben?
Es ist ein sehr persönliches Album. Auch meine Musik ist sehr
persönlich, was bedeutet, dass die Musik sehr eigen ist, weil sie sehr
stark auf meiner Geschichte basiert. Dieses Album ist für mich eine
Autobiographie. Es gibt nur ein Lied oder eine Geschichte darauf, die ich
nicht erlebt habe und da bin ich auch froh drüber. Darin geht es um das
Leben in einer gewalttätigen Beziehung, in der die Frau vom Mann
geschlagen wird. Ich habe das Lied auf mein Album gebracht, weil ich es
schön finde und sehr mag. Ich habe bei dem Lied fast geweint. Viele
Lieder von mir sind melancholisch aber trotzdem sehr positiv.
Die Aufnahmen zum Album hast du recht schnell hinter dich gebracht wie du
vorhin meintest. Wie lange hast du denn an den Texten dafür gearbeitet?
Bei mir kann man nicht sagen, dass ich ein Album geschrieben habe. Ich
habe an mir selbst gearbeitet und meine Songs für mich geschrieben. Ich
habe nie mit dem Gedanken geschrieben, dass es für ein Album ist. Viele
Lieder auf dem Album sind auch schon fünf Jahre alt. Wenige Lieder von
denen sind jetzt sehr neu.
Wie kam es dann dazu, dass jetzt erst ein Album von dir erscheint?
Ich bin zwar schon seit drei Jahren bei Universal / Polydor in
Frankreich gesignt aber zwischendurch bin ich dann schwanger geworden.
Vor allem war ich nie direkt bei Polydor gesignt. Ich habe mit jemanden
unterzeichnet, bei dem ich dachte, dass ich ihm vertrauen könnte. Ich wollte
nie bei einem Major sein, wo die A&Rs ständig rausgekickt werden.
Dann hast du vielleicht irgendwann jemanden vor dir, der dir nichts
Gutes möchte. Ich wollte lieber mit jemanden eine Lizenz machen und
dann zusammen zu Polydor gehen. Es war nicht wirklich ein Fehler, die
Person hat auch viel für mich getan aber am Ende ist sie bisschen
durchgedreht und dachte mich kontrollieren zu müssen. Das war alles zu viel und hat Stress gemacht. Da musste ich
mich erst mal von lösen.
Meine Schwangerschaft war mir am Ende viel wichtiger. Das war auch das
erste mal, dass ich gesagt habe, dass ich das alles eigentlich gar
nicht wirklich brauche. Ich bin auch so glücklich. Meine Lieder werden
immer meine Lieder bleiben. Ich mache meine Musik, auch wenn ich
alleine bin und für mich oder für meinen Sohn spiele oder vor ein par
Leuten in einer Bar. Erst als ich meinen Frieden hatte bin ich geduldig
geworden, das war ich vorher nie. Als ich aber die Geduld gefunden
habe, kam alles sehr schnell. Das Album ist rausgekommen und in zwei
Wochen habe ich in Frankreich an die 50 000 Platten verkauft. Damit hat
ja keiner gerechnet und vor allem nicht ich. Für mich war das eher, ok
jetzt habe ich endlich das Album veröffentlicht und es ist draussen.
Ich habe zwar sehr stark daran geglaubt aber wahrscheinlich hat niemand
damit gerechnet, dass es so sein wird.
Glückwunsch, auch dass du Mutter geworden bist! Wie sehr hat dich die Schwangerschaft denn persönlich beeinflusst?
Es hat mich auf jeden Fall beeinflusst. Die neuesten Lieder auf dem
Album sind für meinen Sohn. Wenn ich live spiele und als
Mutter für meine Mutter ein Lied singe ist das schon wieder was ganz
anderes und wird viel emotioneller. Da muss ich immer an meine Kindheit
denken.
Warum kam dein Album zuerst in Frankreich und in Italien raus und jetzt erst in Deutschland?
Weil ich in Frankreich gesignt habe. Ich habe ja damals in Frankreich
gelebt und hatte eigentlich gar nicht vor nach Deutschland zurück zu
kommen. Es muss ja zuerst in einem Territorium raus kommen, damit du die
anderen Territorien auch abarbeiten kannst. Du kannst ja nicht zur
gleichen Zeit überall sein. Die Franzosen haben das zuerst gemacht,
dann sind die Engländer gekommen, die aber eine längere Anlaufzeit
brauchten. Die Italiener haben das ganz schnell gemacht. Dort ist das
Album auch sehr gut gelaufen. Jetzt kommt es in England und in Spanien
raus und auch in Deutschland ist es am 23.02. erschienen. In ganz
vielen anderen Ländern in Europa ist es schon lange draussen. In Korea
und Japan gibt es das Album auch schon. Eigentlich überall, aber die müssen das
immer so versetzt machen, damit die auch die Promo machen können wenn
ich da bin. Ich war aber schon glücklich und zufrieden als das Album
nur in Frankreich raus kam. Das hier ist schon etwas besonderes weil es
meine Geschichte ist. Das war am Anfang ein bisschen Merkwürdig für
mich. Ich bin ja eigentlich immer aus Deutschland abgehauen weil meine
Vergangenheit mich ein bisschen verfolgt hat. Ich wusste nie ob ich in
Deutschland glücklich werden kann weil mich so viele Dinge daran
erinnert haben. Aber das schöne ist, dass ich mit der Musik immer mehr
aufarbeite. Jetzt bin ich wieder hier und lebe auch wieder in
Deutschland. Ich bin zwar wenig zu Hause aber das hat noch mal eine
ganz andere Bedeutung für mich.
Hast du vor dem Signing schon auf dich und deine Musik aufmerksam machen können?
Ja, nur so habe ich signen können. Ich war in TV Shows und hatte eine
riesen Presse in Frankreich. Ich war in dem grössten Kulturmagazin
Frankreichs aber ich wusste da noch nicht dass es so gross war. Ich hatte
schon eine sehr starke Fanbase und so sind auch die Plattenfirmen auf
mich aufmerksam geworden. Wenn ich irgendwo gespielt habe, waren die
Läden auch voll. Das war eigentlich sehr merkwürdig weil alles sehr
underground losgegangen ist. Ich hatte viele Lieder und die Leute haben
mich immer gefragt, wo sie das bekommen. Da habe ich mir dann schon
überlegt independent etwas aufzunehmen. Ich habe das auch gemacht und
den Leuten einfach so Lieder von mir gegeben oder auf meine
Internetseite zum Runterladen gestellt.
Dann lass uns mal auf deine Vergangenheit zu sprechen kommen. Du bist in Deutschland geboren, dein Vater kommt aus Nigeria und
deine Mutter aus Rumänien. Wie war es für dich überhaupt zwischen
diesen Kulturen aufzuwachsen?
Meine Mama kommt zwar bezüglich aus Rumänien aber sie ist Roma. Das
heisst sie ist
Zigeunerin, die Abstammung ist rumänisch. Das Ding ist immer, dass
viele
das Bild von Zigeunern im Kopf haben, wie sie in Karawanen herumreisen,
aber die wenigsten machen das noch so. Meine Mutter hat nicht im
Wohnwagen gewohnt aber die war schon sehr wild drauf muss ich sagen.
Ich bin allerdings mehr mit meinem Vater aufgewachsen als mit meiner
Mutter. Als ich fünf war ist sie Heroinabhängig geworden. Von da an hat
sie ihr Ding gemacht. Deswegen war ich immer näher zu der Kultur meines
Vaters hingezogen als zu der meiner Mutter. Aber ich habe schon einiges
von meiner Mutter mitbekommen weil ihre Lebenseinstellung immer
sehr freilebend war. Sie war eine starke Rebellin, wollte immer
ausbrechen und sich nicht einordnen lassen. Ich habe mir aber nie
wirklich Gedanken über die verschiedenen Kulturen gemacht.
Wie war die Situation damals für dich als das mit deiner Mutter
passierte? Hat dir die Musik geholfen diese schwere Zeit zu meistern?
Musik hören hat mir damals sehr geholfen. So richtig gemacht habe ich
ja damals noch keine. Es hat auch sehr lange gedauert bis ich zu der
Musik gekommen bin, die ich jetzt mache. Das hat alles mit
Selbstfindung zu tun, bis ich akzeptiert habe woher ich komme und was
meine Eltern machen. Meine Mutter ist halt drogensüchtig aber ich
schäme mich nicht für sie, ich liebe diese Frau. Das Leben ist keine
Märchenwelt, man weiss eben nie was kommt, alles kann passieren. Wenn
meine Mutter zu Hause war konnte man mit ihr darüber reden, aber sie war
immer wieder weg. Sie kam zwar immer mal wieder, aber wir wussten nie wo
sie war und mussten uns Sorgen machen ob sie überhaupt noch lebt oder
nicht. Dann sind meine drei Geschwister und ich auch von meinem Vater
weggekommen und mussten in ein Kinderdorf und auch mal zu Pflegeeltern.
Dann konnten wir wieder zurück zu meinem Vater und es gab Phasen, in
denen ich meine Mutter im Knast besuchen musste. Es war immer alles
sehr durcheinander zu Hause. Dafür habe ich mich halt immer geschämt.
Man wurde ja schon gehänselt wegen der Hautfarbe und dann kam noch so
was dazu. Das hat es noch mal schlimmer für mich gemacht und mich echt
gekränkt. Mir hat das mehr weh getan als das mit meiner Mutter. Das
musste ich erst mal akzeptieren bevor ich überhaupt wieder Musik machen
konnte, weil ich darin ja über mein Leben rede. Für mich war Musik eine
Selbsttherapie und ist es auch heute noch.
Als ich mit 21 Jahren
Hamburg verlassen habe, habe ich mich durch die Musik gefunden. Ich
habe meinen Musikstil gefunden, weil es in meiner Musik nur um mich
geht und nur von mir
kommt, ohne grossartige Einflüsse von irgendwelchen Leuten. Damit kann
ich verarbeiten was ich in mir habe und konnte auch meiner Familie
ein bisschen helfen. Als ich klein war hat mein Vater immer zu
mir gesagt, dass ich draussen nicht über die Situation zu Hause reden
darf und stets aufpassen soll was ich über meine Mutter sag, sonst
stochern die Leute noch in meinem Leben herum. Aber als ich noch gar
nicht darüber nachdenken konnte, habe ich immer gesagt, dass je weniger
ich zu verbergen habe, desto weniger kann man mir Dinge vorhalten. Ich
glaube, wenn man Sachen verbirgt, dann fangen die Leute an deinen
Schwachpunkt zu finden. Aber wenn man den Schwachpunkt zur Stärke macht
dann kann einem das nicht passieren.
Da ist was wahres dran. Hast du eigentlich noch Kontakt zu deiner Mutter?
Ja, zu meiner Mutter habe ich noch Kontakt, aber nicht viel. Wenn ich irgendwas habe, rufe ich meinen Vater
an. Mit
meiner Mutter bin ich eher auf einer spirituellen Ebene verbunden. Es
ist irgendwie telepathisch. Meine Mutter weiss immer wie es mir geht
auch wenn ich mit ihr schon seit Monaten nicht mehr gesprochen habe.
Aber meine Eltern wohnen jetzt wieder zusammen. Wenn ich meinen Vater
anrufe dann ist meine Mutter ja auch da.
Was sagen deine Eltern denn zu deinem musikalischen Werdegang?
Sie sind sehr stolz. Auf dem Album gibt es mit „How Many Times?“ auch
ein Stück, dass ich für meine Mutter geschrieben habe, was vielleicht
auch nicht so schön für sie ist wenn sie das hört. Aber ich glaube,
dass ich ihr damit auch helfe, weil sie weiss, dass es die Wahrheit ist
was ich darin erzähle. Es ist wichtig jemandem vor Augen zu halten was
Realität ist, vor allem wenn man die Realität verloren hat, denn Drogen
haben ja nichts mit Realität zu tun. Ich glaube, dass ich auch meinem
Vater damit geholfen habe. Als Afrikaner alleine mit vier Kindern in
Deutschland lebt es sich nicht einfach, aber er kann nicht alles
verschweigen und so tun als wäre alles in Ordnung, dabei war das nicht
so.
Wie sehr hat dich denn die afrikanische Kultur und Erziehung deines Vaters geprägt?
Die afrikanische Kultur war bei uns zu Hause immer sehr präsent. Aber
eher unbewusst weil er sie uns immer sehr nahe gelegen hat. Ich war vor
kurzem mit meiner Familie, meinem Sohn, meinem Freund und meinem Vater
in Nigeria und habe dort meine Oma und Familie besucht und in Lagos
mein Video zu „Life Is Real“ gedreht. Das ist mein Lieblingsvideo. Es
ist aber noch nicht veröffentlicht, es wird gerade fertig gemacht. Man
merkt an dieser Energie, dass es was ganz besonderes war. Es ist zu
100% Ich. Das war schon ein ganz wichtiges Ereignis und auch ein
krasses Erlebnis. Das werde ich niemals vergessen und ich werde auch so
oft wie möglich zu meiner Familie nach Nigeria zurück fliegen. Als ich
davor das letzte mal in Nigeria war, war ich gerade mal 2 Jahre alt.
Wir wollten damals eigentlich für immer dort bleiben aber wir waren
wegen der politischen Situation nicht mal ein ganzes Jahr da.
Kannst du dich denn noch an etwas Bestimmtes von dieser Zeit erinnern?
Ja, was ganz merkwürdig ist. Normalerweise sagt man doch immer, dass
man sich mit zwei Jahren nicht wirklich an Sachen erinnern kann. Ich
habe aber definitiv Erinnerungen im Kopf, so dass ich schon dachte das
wären Tagträume. Ich habe dann meinen Vater deswegen gefragt und er
meinte, das wären keine Träume, das ist wirklich so gewesen. Das meiste
hat auch mit meiner Oma zu tun. Wir waren uns immer sehr nahe als ich
noch klein war. Sie hat mich ständig auf dem Rücken rumgeschleppt und
meine Eltern haben mich eher selten gesehen.
Hast du vor in Zukunft wieder mehr Zeit dort zu verbringen?
Auf jeden Fall. Demnächst geh ich wieder hin weil ich ein Haus für
meine Familie mieten möchte. Ich will mit meiner Familie teilen weil es
denen sowieso nicht so gut geht und ich will mich um sie kümmern, damit
sie endlich mal bessere Möglichkeiten haben. Das sind schon Pläne von
mir.
Schön zu hören, dass es noch Menschen gibt, die gerne geben. Was denkst du gibst du den Menschen noch mit deiner Musik?
Dadurch dass ich ihnen meine Geschichte vermittle, habe ich das Gefühl,
dass die Menschen auch offener mit sich selbst werden und sich nicht
schämen für irgendwelche Sachen. Auch wenn dein Vater Alkoholiker ist
oder du andere Probleme hast, kannst du darüber reden. Die Leute, die
dich abstempeln, kannst du eh vergessen. Man soll sein Leben geniessen.
Ich will den Menschen Energie geben sonst verlierst du alles, triffst
nur negative Menschen, hast keine Hoffnung, glaubst nicht an dich
selbst und an gar nichts. Ich glaube wenn du offen sein kannst bist du
einfach ein positiverer Mensch und kommst viel weiter.
Auf der CD- Hülle ist ein Aufkleber mit einem Zitat aus dem Magazin
Audio, dass du „Tracy Chapmanns vitalere, hippere Schwester sein
könntest“. Wie findest du diese Aussage und was bedeutet dir das?
Das haben die geschrieben? Das ist ja witzig. Aber ganz ehrlich, das
bedeutet mir nicht wirklich viel, weil niemand mag es gerne verglichen
zu werden. Aber weil es Tracy Chapmann ist, bekommt es doch ein
bisschen was von Bedeutung. Sie ist ja schon eine andere Künstlerin als
es diverse andere sind. Sie hat eine bestimmte Tiefe, wenn die Leute
das müssen, können sie eigentlich nur den Spirit vergleichen. Die
Energie bei uns ist vielleicht ähnlich, musikalisch ist es schon sehr
anders.
Die Kinderfotos im Booklet sind von dir oder?
Diese Kinderfotos die da drin sind, sind die wenigen Bilder die ich
selbst noch von mir habe. Meine Mutter hat in ihrem Wahn immer alles
mitgenommen deswegen wollte ich diese Fotos verewigen und unbedingt auf
mein erstes Album drauf haben. So kann ich sie nicht mehr verlieren.
Dein Album steht jetzt seit dem 23. Februar in deutschen Läden. Was
wünschst du dir mit der Veröffentlichung von „Joyful“ in Deutschland?
Es gibt viele Menschen, die dachten, dass ich weg bin und dass es mich
gar nicht mehr gibt. Auch Menschen, die ich selbst gar nicht
kenne. Das einzige was ich mir erhoffe ist, dass die Menschen weniger
Vorurteile haben, sich öffnen und sensibler für manche Dinge werden.
Ich wünsche mir auch, dass es hier Menschen gibt, die sich berühren
lassen wollen. Die Platten die ich verkaufe sind letztendlich nicht so
wichtig. Ich darf das jetzt nicht so laut sagen, sonst kloppen die mich
wenn ich nichts verkaufe. Also das ist schon wichtig, ne?(lacht)
Ich hoffe einfach, dass ich etwas verändern kann und etwas positives
bringen kann. Und wenn es nur ein par Minuten Glück oder ein gutes
Gefühl ist.
Wünsche dir jedenfalls viel Glück und Erfolg dabei. Wie sehen deine weiteren Pläne für die Zukunft aus?
Für ein weiteres Album lass ich mir wieder Zeit. Ich habe ja noch ganz
viele Songs und es wird wohl wieder so sein, dass viele alte Lieder und
auch par Neue auf dem zweiten Album sein werden. Jetzt gehe ich erst mal
auf Tour in Frankreich. Im April habe ich meine Veröffentlichung in den
Staaten, dann muss ich auch dort hin. Ich glaube im Mai/Juni bin ich
nur in den Staaten weil ich Promo machen muss. Dann gehe ich auf Tour
in die Staaten und zeitgleich kommt es auch in England raus. Dann
muss ich noch nach Asien und Australien - ich bin eigentlich die ganze
Zeit unterwegs.
Haben wir in Deutschland auch mal das Glück dich live zu sehen?
Hoffentlich! Ja doch, da bin ich mir sicher. Sogar sehr sicher.
Ich würde es mir jedenfalls wünschen. Bis dahin, viel Erfolg auf Promotour und Danke für das Gespräch!
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